Automatisierte Ansätze für eine verbesserte krankenhausinterne Logistik

Autor: Dimitri Lagun
Datum: 17.05.2017

Der wirtschaftliche Druck zwingt immer mehr Krankenhäuser dazu Optimierungspotenziale auszuschöpfen

Pro Jahr lassen sich 20.000 Krankenhausaufenthalte auf Probleme in der Medikation zurückführen. Dies hat die Stiftung Patientensicherheit Schweiz ausgerechnet. Eine fehlerhafte Dosis oder ein falsches Präparat ziehen bekanntlich gravierende Folgen nach sich. Die Arzneimittelabgabe ist in den meisten Kliniken jedoch nach wie vor ein manueller Prozess. Fehler können auf falsche Beschriftungen oder missverständliche Listen zurückgeführt werden. Besonders betroffen sind Schnittstellen wie die Patientenaufnahme und –Entlassung, wenn es darum geht, die richtige Medikation einzuhalten.

Es ist außerdem nicht nur die Patientensicherheit gefährdet: Ökonomisch birgt der Medikationsbereich Optimierungspotenziale. Patienten können gegen Irrtümer bei der Medikamentenabgabe klagen, was dem Ruf der Klinik schadet. Andererseits sind die logistischen Prozesse bei der Verteilung der Arzneimittel oft ineffizient. Jede Station verfügt meist über ein eigenes Lager, anstatt Medikamente über eine zentrale Stelle zu beziehen.

An dieser Stelle überlegen Kliniken nun, ob und inwiefern sie Prozesse in der Arzneimittel-Logistik verbessern können. Laut einer Studie der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in St. Gallen werden rund 7-12 Prozent der Sachkosten für die krankenhausinterne Logistik ausgegeben. Das Logistikunternehmen Swisslog hat deshalb automatisierte Ansätze für Krankenhäuser entwickelt. Das Konzept der Einzeldosis „Unit Dose“ steht dabei im Vordergrund: Die Klinikapotheken verpacken die ihnen gelieferten Arzneimittel zunächst selbst um sie in das gewünschte Verpackungsformat zu bringen. Um damit eine Feinverteilung zu ermöglichen, ist die jeweilige Tablette oder Ampulle in eine Tüte gelegt, die wiederum mit einem Barcode zur eindeutigen Identifikation versehen ist.

„Jeder Patient erhält dann die individuelle Dosierung in Form von mehreren Plastiktüten, die an einem Ring befestigt seien“, erläutert Volker Jungbluth, Leiter Strategic Research & Development. „Sobald der Patient ein Arzneimittel zu sich nimmt, scannt eine Pflegekraft den Vorgang ein. Damit lässt sich der Verbrauch lückenlos dokumentieren und außerdem die richtige Dosierung sicherstellen. Falls Tabletten nicht benötigt werden, können diese einfach wieder zurückgegeben werden. Erforderlich dafür ist allerdings eine elektronische Patientenakte mit einer entsprechenden Software, in der sämtliche Daten gespeichert sind“.

Dank dieser Prozessautomatisierung gewinnen Krankenschwestern und Pflegekräfte mehr Zeit für die Patienten. Je größer das jeweilige Krankenhaus ist, desto mehr Zeitspareffekte lassen sich über einen zentralen Einkauf und ein einheitliches Lager erzielen. Dies senkt die Kosten und steigert die Effizienz, welche sich an der Zahl der Arzneimittel ablesen lässt, die ein Angestellter verteilt. Ein weiterer positiver Effekt der Prozessautomatisierung ist die sinkende Zahl der Patienten-Fälle mit unerwünschten Folgen aufgrund fehlerhafter Arzneimittelabgabe.

Einer der renommiertesten Spezialkliniken in Europa, das Schweizer Paraplegiker-Zentrum Nottwil (SPZ), für Querschnittsgelähmte, hat jetzt dem Logistikunternehmen mit Erfahrung im Medikamenten- und Supply-Chain-Management im Gesundheitswesen den Auftrag erteilt, die Medikamentenlogistik im stationären und ambulanten Apothekenbetrieb zu automatisieren. Das zukünftige Versorgungskonzept besteht aus zwei wesentlichen Schwerpunkten: Aus einer stationären Medikamentenversorgung mit patientenspezifischen Einzeldosen (Unit-Dose) und zweitens aus der Versorgung der Krankenhausapotheke mit Originalpackungen. Dies soll mit zwei Swisslog Robotortechnologien „TheraPick“ realisiert werden. Die Maßnahme stellt sicher, dass das richtige Medikament dem richtigen Patienten zum richtigen Zeitpunkt zur Verfügung steht. Mithilfe des EvoTec, einem Lagersystem kann eine platzsparende Lagerung der Medikamente unter optimalen Bedingungen ermöglicht werden. Der manuelle Arbeitsaufwand der internen Logistik sowie der ambulenten Versorgung kann so reduziert werden. „Die einzigartige Lösung für das stationäre und ambulante Medikamentenmanagement ermöglicht es dem medizinischen Personal, wieder mehr Zeit für Patienten und klinische Aufgaben zu haben, und verbessert so die Patientenversorgung“, ist Krankenhausapotheker Valentin Habermacher von den Vorteilen überzeugt.

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D.Lagun