Studie „Wirtschaftsverkehr 2.0“

Autor: Mario Schmidtgen
Datum: 31.07.2017

Frankfurt University of Applied Sciences entwickelt innovative Belieferungsstrategien für Paketzusteller

Die Studie „Wirtschaftsverkehr 2.0“ der Frankfurt University of Applied Sciences entwickelt innovative Belieferungsstrategien für Paketzusteller und forscht an welchen Stellen, der Einsatz von Diesel- oder Elektrofahrzeugen, als auch Lastenrädern sinnvoll ist. Außerdem wird zur Einführung kooperativer Kofferraumzustellung geraten.

Zur Erhebung der Ergebnisse arbeitet das Projektteam eng mit einigen großen KEP-Unternehmen zusammen. „Wir haben für das Forschungsprojekt einen interdisziplinären Ansatz gewählt: Die Kombination von Verkehrsplanung und Logistik ergab neue Lösungsansätze für die KEP-Branche“, erklärte Prof. Dr. Kai-Oliver Schocke, Professor für Logistik.

Schocke leitet das Projekt gemeinsam mit Prof. Dr.-Ing. Petra K. Schäfer, welche als Professorin für Verkehrsplanung an der Frankfurt UAS tätig ist. „Unsere Handlungsempfehlungen verbinden Effizienz und Wirtschaftlichkeit für die KEP-Dienstleister mit der Verträglichkeit für Anwohner und Kommunen. Wir haben deshalb nicht nur mit den Dienstleistern, sondern auch mit den Kommunen zusammengearbeitet und weisen gezielt auf Transportmöglichkeiten hin, die umwelt- und umgebungsverträglich Waren ausliefern können, z. B. Elektrofahrzeuge oder Lastenfahrräder“, ergänzte Schäfer. Ein wichtiges Ziel der Projektarbeit sei es gewesen, die Ergebnisse auch auf andere Stadtgebiete übertragen zu können.

Nach den Kriterien „Nutzung“ und „städtebauliche Struktur“ wurde die Stadt in verschiedene Stadtteiltypen eingeteilt – „City“, „Mischgebiet“, „Wohnen“, „Gewerbe“ und „Industrie“. Auf dieser Basis wurden die Handlungsempfehlungen für potenzielle Belieferungsstrategien entworfen.

Für die Stadtteiltypen „City“ und „Mischgebiet“ wird ein zweistufiger Lieferprozess empfohlen. Merkmale der „City“ sind vor allem die hohe Kundendichte mit vielen Haltevorgängen als Folge, sowie schlechte Parkmöglichkeiten. Oftmals blockieren haltende Lieferfahrzeuge die Straßen und Einfahrten, das Fahrzeug stellt dabei nur eine Art Lager da, da die Fahrer nichtdestotrotz den Großteil der Sendungen zu Fuß zustellen müssen.

Auch der Typ „Mischgebiet“ wird von einer schwierigen Parkplatzsituation und Einschränkungen der Fahrtwege geprägt. Die Analyse zeigt, dass das Fahrzeug hier ebenfalls als Depot dient.

In diesen beiden Stadtteiltypen soll daher die erste Distributionsstufe durch Diesel- und Elektrofahrzeuge umgesetzt werden. In Mischgebieten soll zu Lärmreduzierung außerdem auf Elektrofahrzeuge gesetzt werden. Die zweite Distributionsstufe soll dann durch Lastenfahrräder bewältigt werden, da dieses vor allem in der „City“ als flexibler wahrgenommen werden. Außerdem können dadurch in den „Mischgebieten“ Probleme wie beispielsweise Einbahnstraßen umgangen werden.

Die Stadtteiltypen „Wohnen“, „Gewerbe“ und „Industrie“ verfügen über ausreichende Parkmöglichkeiten. Außerdem liegen die einzelnen Kunden hier weiter auseinander, so dass es möglich ist die Lieferungen mit einer einstufigen Distribution, mit Hilfe von Diesel- oder Elektrofahrzeugen, abzuwickeln. „Im Stadtteiltyp „Wohnen“ kann das Elektro-Nutzfahrzeug zur Lärmreduzierung einen relevanten Beitrag liefern“, betonen die Wissenschaftler. Da die Reichweite sowie das Sendungsvolumen von Elektro-Nutzfahrzeugen zu gering ist, sollen in den Gewerbe- und Industriegebieten Diesel-Fahrzeuge eingesetzt werden.

Außerdem soll die Fahrzeugbeladung zum Beispiel durch Fächer umstrukturiert werden. Die Zustellung nach Postleitzahlen-Gebieten soll durch eine tagesaktuelle Einteilung nach der Zahl der aktuellen Paketmenge ersetzt werden. Zudem sollen die Fahrer zu den Themen Verkehrssicherheit und – geschehen geschult werden. Und auch andere Lieferoptionen wie beispielsweise Paketstationen oder Paketboxen sollen ausgebaut werden.

Die Studie bilanziert: „Auf Basis der Erhebung von 40 Belieferungstouren bei vier KEP-Dienstleistern, Interviews mit den verantwortlichen Niederlassungs- und Abteilungsleitern und Befragungen der Fahrer, konnte eine umfassende Datengrundlage zu den Umgebungsbedingungen sowie den vorhandenen Belieferungsstrategien geschaffen werden.

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M.Schmidtgen