Kouvola Logistik-Projekt mit EU-Förderung

Autor: Mario Schmidtgen
Datum: 20.04.2017

Blockchain-Projekt zur Ermöglichung eines einheitlichen und transparenten Supply Chain-Prozesses

Auf der Blockshow Europe 2017 in München wurde von der öffentlichen Entwicklungsstelle Kouvola Innovation Oy in Finnland das Projekt „SmartLog“ vorgestellt. Es handelt sich um eine offene Blockchain-Lösung, die jedem zugänglich sein soll und so zu einer Vernetzung aller Logistik-Akteure verhilft. So soll ein einheitlicher und transparenter Supply Chain-Prozess geschaffen werden.

Die ersten Teilnehmer des Projekts sind die Länder Finnland, Schweden, Estland und Litauen. Außerdem wird das Projekt mit Mitteln aus dem Interreg Central Baltic Programm der EU gefördert. Die Kouvola Innovation Oy benannte die offiziellen Ziele des Projekts: “Well-connected region” und “Improved transport flows of people and goods“. Im September 2016 startete das Projekt und wird nach drei Jahren beendet, danach soll es vollständig umgesetzt worden sein.

Trotz der hervorragenden Optimierung der internen Prozesse vieler Logistikunternehmen bestehen immer noch große Lücken und Ineffizienzen in Hinsicht auf externen Datenaustausch. Die Probleme liegen häufig bei zahlreichen verschiedenen Softwarelösungen und Schnittstellen. Es mangelt an einheitlichen Standards, Interoperabilität und respektiver Konnektivität. Aufgrund von fehlender Kommunikation und Integration gemeinsamer Standards können automatisierte Prozesse kaum realisiert werden.

Daraus resultieren hohe Kosten für die interne Optimierung, die die Effizienzverluste aus der externen Interaktion beheben sollen. Große Logistikunternehmen sind zur halbwegs erfolgreichen Skalierung zum Lobbying für ihre Systemstandards gezwungen. Außerdem verursacht der mangelnde Austausch Verzögerungen im Transport, die wiederrum immense Kosten verursachen.

Die Probleme sollen mit “multi party transaction scenarios“ behoben werden. Eine vertrauensvolle Netzwerkinfrastruktur soll den Datenaustausch in Echtzeit und Datenintegrität für alle beteiligten Akteure ermöglichen. Dafür schuf Kouvola die Blockchain-Lösung, die vollständige Einsicht über alle relevanten Transportinformationen innerhalb der europäischen Transportkorridore gewähren soll.

Dies bezieht sich konkret auf das Streckennetz und der Standardisierungskatalog des Trans European Transport Network, kurz TEN-T. Schon 2014 wurde von der EU der Beschluss für ein gemeinsam geregeltes Transportwerk getroffen. So soll der innereuropäische Supply Chain- Prozess verbessert werden und Transportzeiten verkürzt werden. Weiterhin soll die “end-to-end intermodal container travel time“ um über 5 % reduziert werden. Durch die Ermöglichung einer besseren Planung von Ressourcen und internen Prozessen können Kosten in den Bereichen Personal, Lager, Versicherung etc. eingespart werden. Durch verifizierte und dezentrale Datengrundlage können außerdem Kosten durch Betrug und Cyberattacken vorgebeugt werden.

Langfristig soll die Blockchain-Infrastruktur zur Automatisierung der Logistik verhelfen. Smart Contracts und RFID-Chips ermöglichen eine eigenständige Kommunikation der Containerladungen untereinander. So würde ohne Menschenhand die Lieferkette automatisch organisiert und abgestimmt werden.
Besonders der Hafen Rotterdam engagiert sich in diesem Kontext: er arbeitet ebenfalls an einem Container-tracking und Informationsaustausch auf Blockchain-Basis.

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M.Schmidtgen