Yara und Kongsberg bauen autonomes Elektroschiff

Autor: Mario Schmidtgen
Datum: 17.05.2017

Schon 2020 soll das norwegische Containerschiff Birkeland in See stechen

Schon 2020 soll das norwegische Containerschiff Birkeland in See stechen. Eine Weltpremiere: Die Birkeland soll das erste Schiff sein, das in der Lage ist elektrisch und autonom zu fahren. Nur Rolls-Royce könnte den Norwegern einen Strich durch die Rechnung machen und den Norwegern zuvor kommen.

Der norwegische Düngemittelhersteller Yara legt jedes Jahr etwa 40.000 Lkw-Fahrten zurück, um Chemikalien und Düngemittel zwischen der Produktion in Porsgrunn und dem Hafen in Brevik zu transportieren. Von Brevik aus werden die Produkte von Yara in die ganze Welt verschickt. Das Problem: Die Strecke auf der die Produkte transportiert werden, führt an kleinen ruhigen Dörfern und Städten vorbei. Durch die Diesel-Lkw wird die Luft dort verschmutzt und die Anwohner werden durch den Lärm der Fahrzeuge belästigt.

Das will Yara sowohl den Bürgern als auch der Umwelt nicht mehr zumuten. Daher entwickelt der Düngemittelhersteller in Kooperation mit Kongsberg, einem Anbieter für Schiffs- und Offshoreelektronik, ein Elektroschiff. „Mit diesem autonomen, batteriebetriebenen Containerschiff bewegen wir den Transport von der Straße auf das Meer, reduzieren Lärm, NOx- und CO2-Emissionen und erhöhen die Sicherheit auf den örtlichen Straßen“, sagt Yara-Geschäftführer Svein Tore Holsether.

Bislang existiert die Birkeland nur als Illustration am Computer. Das 70 Meter lange blaue Schiff soll Platz für etwa 100 Container bieten und ohne Fahrerhaus agieren. Stattdessen wird es am Heck eine Brücke mit Antennen, IR-Kamera und Lidar-System geben, welche von Kongsberg geliefert werden. Dieses System ermöglicht die autonome Fahrt des Containerschiffs zwischen Porsgrunn und Brevik, ohne auch nur eine Menschenseele an Bord. Die Geschwindigkeit des Schiffs wird bei 10 Knoten liegen und eine Reichweite von 65 Seemeilen haben. Neben dem autonomen Fahren, soll auch das Be- und Entladen, Ankern und das Laden des Akku vollautomatisiert und ohne menschliche Hilfe erfolgen.
Erste Testfahrten soll es 2019 geben, allerdings wird es dabei Besatzung zur Kontrolle an Bord geben. Ab 2020 soll die Birkeland dann schließlich ohne Besatzung die Strecke zwischen Porsgrunn und Brevik passieren.

Doch die Birkeland ist nicht das einzige Elektroschiff, dass 2020 in See stechen wird. Auch Rolls-Royce wird 2020 ein autonomes Containerschiff in die Weltmeere schicken. „Die Technologien, die für ferngesteuerte und autonome Schiffe notwendig sind, existieren bereits“, sagt Oskar Levander, Vizepräsident Meeresinnovation bei Rolls-Royce.

Das Arbeitsumfeld des Kapitäns ist dabei besonders futuristisch. Dieser wird zukünftig nicht mehr in der Brücke des Schiffes sitzen, sondern das Schiff vom Land aus kontrollieren und steuern. Dabei wird er durch eine Virtual Reality Brille in einen virtuellen Kommandostand eintauchen und das Schiff in den Hafen steuern. Um den Überblick zu behalten, wird es bei Bedarf die Möglichkeit geben, Drohnen in die Lust zu schicken.

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