Amazon steigt in das Pharmageschäft ein

Autor: Ralf Windmüller
Datum: 08.03.2017

In wie weit sind die Apotheken gefährdet?

Bald könnte die Befürchtung vieler Apotheker Realität werden: Amazon soll Gespräche mit Apothekern und Arzneimittelversendern führen, die als Exklusivpartner Arzneimittel für Kunden vor Ort liefern sollen.

Amazon hat den Plan, den Premiumdienst Amazon Prime um die Kategorien Gesundheitsprodukte und Arzneimittel zu erweitern, so erklärt es der Branchendienst „Apotheker adhoc“. Zwei Mitarbeiter sollen laut des Branchedienstes die Stimmung bei den Arzneimittelherstellern sondiert haben, während andere Mitarbeiter mit großen Apothekenketten sprachen um deren Befindlichkeiten zu ermitteln.

In jeder Stadt der betroffenen Regionen solle eine große Apotheke von dem Unternehmen unter Vertag genommen werden. Die bestellte Ware soll dann von den Apotheken zum Umschlagplatz geliefert werden, wo sie dann von den Amazon beauftragten Logistikern zugestellt wird. Ein Vertrag soll bereits schon in München unterzeichnet sein und in Berlin ist man noch auf der Suche nach einem passenden Partner.

Mehrere Branchenkenner befürchten, dass Amazon somit die Hand auf der Logistik hätte und mittelfristig den ersten Teil der Lieferkette übernehmen würde, wenn die benötigten Branchenerfahrungen gesammelt werden würden. Die Wahrscheinlichkeit ist ziemlich groß, dass Amazon außerhalb der Großstädte auf das übliche Same-day-delivery setzen wird, oder nur einige Ballungsräume beliefert werden. Für den deutschen Markt ist dennoch klar, dass dank der heutigen Logistik und einem guten Netz an Großhändlern, die Möglichkeit besteht, Arzneimittel in wenigen Stunden zu erhalten, da dieses System bereits jetzt von vielen Apotheken vor Ort angeboten wird.

Auch für das Problem der Rezeptpflicht muss eine geeignete Lösung gefunden werden. Noch unklar ist, ob die Rechnung der beteiligten Apotheken aufgeht, da der Kunde bei dem gesamten Prozess nur Amazon als Geschäftspartner ansehen wird.

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R.Windmueller