Deutsche Post sucht neuen Standort in NRW

Autor: Ralf Schmitt
Datum: 26.04.2017

Verdopplung der Elektrofahrzeugfertigung der Deutschen Post DHL Group

Die Deutsche Post dient nicht mehr nur zur Lieferung von Paketen, sondern stellt mittlerweile auch die Fahrzeuge her, mit denen diese ausgeliefert werden. Das Unternehmen sucht einen zweiten Standort für die Produktion seiner Elektrofahrzeuge. Die Streetscooter GmbH ist eine Tochtergesellschaft der Deutschen Post DHL Group und fertigt jährlich 10.000 Elektrofahrzeuge in Aachen. Bis Ende des Jahres ist es geplant, die Produktion zu verdoppeln und eine zweite Fabrik für Streetscooter in Nordrhein-Westfalen zu schaffen. Der genaue Standort ist bislang nicht bekannt.

Der unabhängige Landtagskandidat Jörg Heynkes, der von den Grünen unterstützt wird, regt an das „Zukunftsprojekt“ ins Bergische Land zu holen. Die Region kann durch viele Aspekte punkten wie zum Beispiel die innovativen Zulieferer, Fachkräfte, der Forschungspartner an der Bergischen Universität sowie das 3D-Druckzentrum in Solingen. Vor allem das 3D-Druckzentrum wird bei der Herstellung von Zukunftstechniken immer wichtiger. „Grundsätzlich ist die Frage, ob man wartet, bis ein Unternehmen auf einen zukommt oder ob man aktiv wird und das Unternehmen anspricht, ob es Sinn macht, sich in Wuppertal anzusiedeln“, sagt Heynkes.

Die Flächen im Städtedreieck Wuppertal, Remscheid und Solingen kommen als Standort in Frage. Der Kriterienkatalog für den neuen Standort ist jedoch unklar. Auch Stephan A. Vogelskamp, der Geschäftsführer der Bergischen Struktur- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft äußert sich: „Es stehen große Veränderungen im Bereich der Elektromobilität und autonomes Fahren an“. Die Struktur- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft veranstaltet regelmäßig den Bergischen Zukunftssalon Automotive, um auszuloten, welche Bereiche der Automobilindustrie gefährdet sind und welche Zukunft haben. Für die Idee, die Produktion des Streetscooters in die Region zu holen, ist Vogelskamp sofort zu haben. „Wir wollen die Hannover Messe nutzen, um mit der Firma Streetscooter ins Gespräch zu kommen“, sagt Vogelskamp auf dem Weg in die Messehalle. Der Geschäftsführer spricht von Schwarmmobilitiät, bei der Autos nicht mehr besessen werden, sondern sie nur noch ruft, wenn man sie braucht. In Zukunft fallen also in der Branche mehr Arbeitsplätze weg und die Wirtschaftsförderung bemüht sich an dieser Stelle frühzeitig, Alternativen für die Autozulieferer in der Region aufzuzeigen. Und noch ein anderer Aspekt reizt Vogelskamp an dem Projekt: „Der Streetscooter ist ein Symbol für die Handlungsunfähigkeit der Automobilindustrie, die keine Elektroautos bauen kann oder will.“

Die Deutsche Post DHL Group möchte sich zur Standortfrage nicht äußern. Nähere Informationen würden zum „gegebenen Zeitpunkt bekanntgegeben“. Jürgen Gerdes, der für das Paketgeschäft zuständige Vorstand, sagte aber in einem Interview, dass es sinnvoll sei, dass die Techniker und Führungskräfte des Mutterwerks in Aachen kurze Wege haben. Damit dürfte es für das mehr als 100 Kilometer entfernte Wuppertal als Bewerber schwer werden.

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