Einkaufs-Check: Wie geht es dem Einkauf in Tschechien?

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Einkaufs-Check: Wie geht es dem Einkauf in Tschechien?

David Sturc, Manager bei Kloepfel Consulting, im Interview über den Status Quo tschechischer Einkaufsabteilungen sowie relevante Einsparpotenziale und entsprechende Maßnahmen für Mittelständler.

Welche Position nimmt der Einkauf in tschechischen Unternehmen ein?

Das ist stark branchenabhängig. In der Automobilindustrie sowie dem Bankenwesen ist der Einkauf weit entwickelt. Hierbei sprechen wir von europaweiten Konzernen, deren Strukturen von Land zu Land identisch sind. Trotzdem wird der Einkauf auch hier oft unterschätzt, während eher in den Vertrieb investiert wird. Betrachten wir Mittelständler in Tschechien, so ist der Einkauf natürlich komprimierter aufgestellt. Auch die fehlende Wertschätzung des Einkaufs stellt in diesem Segment ein Problem dar. Ich gehe allerdings davon aus, dass sich die Einkaufsstruktur sowie die Position des Einkaufs im Unternehmen verändern werden. Denn der Mittelstand beginnt auch in Tschechien zu verstehen, welche Potenziale im Einkauf stecken. Insbesondere inhabergeführte Unternehmen versuchen, Top-Manager für den Einkauf zu finden, um sich nachhaltig aufstellen zu können.

Inwieweit wird der Einkauf in tschechischen Unternehmen in die Produktentwicklung mit eingebunden?

Auch hier gilt es die verschiedenen Branchen zu betrachten. In den Branchen mit hohem Rohmaterialeinsatz nimmt der Einkauf grundsätzlich eine wichtigere Rolle ein. Gemeinsam mit der technischen Abteilung entscheidet er hier über die Kosten. Bei Unternehmen mit einem niedrigeren Einkaufsvolumen im Rohstoffbereich hingegen, spielt der Einkauf in der Produktentwicklung eine untergeordnete Rolle. Je höher also der Bedarf an Rohstoffen, desto mehr Potenzial bietet sich dem Einkauf in der Kostenkalkulation. Hier empfehlen sich entsprechende Kalkulationstools wie Cost Control, um die Kosten eines Produktes präzise herunterbrechen zu können.

Im Handel kommt dem Einkauf als Teil der Produktentwicklung eine sehr wichtige Rolle zu, was wiederum in anderen herstellenden Unternehmen nicht der Fall ist. Dort distanziert sich der Einkauf von der Entwicklungsabteilung. Wenn beispielsweise in der Beverage-Branche ein neues Produkt entwickelt wird, stehen natürlich auch die Kosten im Fokus. Allerdings ist die Verbindung zwischen Einkauf und Entwicklung im Maschinen- und Anlagenbau stärker verankert.

Wie reagieren tschechische Einkaufsabteilungen auf den digitalen Wandel?

Der digitale Wandel beschäftigt aktuell jede Einkaufsabteilung, nicht nur in Tschechien. Im operativen Einkauf wird hinsichtlich Procure-to-Pay eine elektronische Steuerung der Bestände und Lagerung ermöglicht. Im strategischen Einkauf wiederum gibt es verschiedene Ansätze. Hier gewinnen Einkaufstools und Bestellplattformen beispielsweise für die Bereiche Automotive, Finanzen und auch für große Holdings an Bedeutung. Schnittstellen für diese Funktionen bieten mittlerweile auch große Systeme wie SAP. Was den strategischen Einkauf betrifft, ist der digitale Wandel in mittelständischen Unternehmen jedoch noch nicht so weit fortgeschritten.

Welche konkreten Herausforderungen begegnen produzierenden Mittelständlern im Einkauf?

Tatsächlich besteht ein Problem des Mittelstands darin, dass die Wirtschaft wächst. Die Auftragsbücher sind voll, entsprechend ausgelastet sind auch die Produktionskapazitäten. Den Lieferanten mangelt es verstärkt an Mitarbeitern und Ressourcen, um alle Aufträge abzuwickeln. Unsere Aufgabe besteht also vermehrt darin, neue Lieferanten zu finden und zu qualifizieren oder gar neue Märkte zu öffnen. Als es der Wirtschaft weniger gut ging, lag der Fokus stark auf Einsparungen. Diese sind zwar heute noch wichtig, es gilt jedoch in erster Linie auch die Verfügbarkeit zu gewährleisten und Lieferengpässe zu vermeiden.

Welche Rolle spielt Global Sourcing für Mittelständler in Tschechien? Ist das ein großes Thema oder noch nicht so aktuell?

Insbesondere für die am Weltmarkt präsenten Branchen in Tschechien gehört Global Sourcing natürlich zum Tagesgeschäft. Große Unternehmen und Konzerne haben eigene Kontakte zu Märkten wie China, Indien oder Mexiko. Kleinen und mittelständischen Unternehmen fällt es oft schwer, Beziehungen zu qualitativ guten ausländischen Lieferanten aufzubauen. Dies kann mit diversen Kommunikations-Barrieren, Zeitmangel oder auch schlicht fehlender Erfahrung im Global Sourcing zusammenhängen. Mit unserem globalen Netzwerk aus Partnern und Lieferanten können wir auf unseren Projekten durch die Vermittlung an qualitativ geprüfte Lieferanten helfen.

Wo ergeben sich Einsparpotenziale für den Mittelstand?

Die Einsparpotenziale im Mittelstand verlaufen in Deutschland und Tschechien nahezu analog. Natürlich gibt es im direkten Einkauf Potenziale, allerdings lassen sich auch im indirekten Bereich vieler kleiner Unternehmen enorme Summen einsparen, vielleicht sogar eher als in Deutschland. Dies beginnt bei den in Anspruch genommenen Dienstleistungen wie Gebäudereinigung und zieht sich bis hin zum IT-Equipment. Im Zuge einer Beschaffungskostenoptimierung können sowohl indirekte als auch direkte Einkaufsvolumina bearbeitet werden, und eine nachhaltige Einsparungen realisiert werden. Dabei lohnt es sich, die eigene Lieferantensituation regelmäßig zu prüfen, Rohstoff- und Beschaffungsmärkte zu beobachten und Make-or-Buy-Entscheidungen zu evaluieren.

Mit welchen konkreten Maßnahmen können tschechische Abteilungen diese Potenziale realisieren?

Es müssen verschiedene Punkte beachtet werden, um das im Einkauf enthaltene Potenzial bestmöglich ausschöpfen zu können. Zu allererst muss eine klare Unterscheidung zwischen strategischem und operativem Einkauf etabliert werden. Das ist die Grundlage einer zielführenden Verbesserung des Einkaufs. Selbstverständlich muss die Manpower im Einkauf verfügbar sein, um strategische Maßnahmen implementieren zu können. Gleichzeitig müssen die Einkäufer jedoch auch über die nötige Erfahrung und das Know-How verfügen, um relevante Methoden und Analysen umsetzen zu können. Schulungen und Fortbildungen sind eine hervorragende Möglichkeit, um die eigenen Mitarbeiter zu qualifizieren, beispielsweise hinsichtlich Verhandlungs-Know-How. Wer teure Investitionen ablehnt, kann auf die Unterstützung von externen Partnern zurückgreifen. Einkaufsspezialisten wie Kloepfel Consulting arbeiten mit einem zu 100% erfolgsbasierten Honorar. Wird keine Einsparung erzielt, fallen auch keine Kosten an. So lässt sich das Risiko minimieren und Mittelständler können schnell von der langjährigen Erfahrung der Branchen-Teams profitieren.

Vielen Dank für das Interview!

Über Kloepfel Consulting in Tschechien
Die tschechische Niederlassung der Kloepfel Consulting GmbH, betreut von Manager David Sturc, beschäftigt sich mit allen Themen rund um die nachhaltige Optimierung des Einkaufs. Dies umfasst die großen Gebiete Beschaffungskostenoptimierung und Einkaufsstrukturoptimierung sowie die dazugehörigen Maßnahmen und Methoden. Auch das osteuropäische Kunden- und Lieferantennetzwerk wird aus Prag gesteuert und ausgebaut.

David Sturc
Manager
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