Ukraine: Gestörte Lieferketten

Kloepfel Consulting GmbH / Ukraine: Gestörte Lieferketten

Kurzfristige Handlungsempfehlungen für den Einkauf

  • Risikoanalyse
  • Bestandsmanagement optimieren
  • Rohstoffkosten transparent machen
  • Alternative Bezugsquellen finden

Die Corona-Pandemie und der russische Angriffskrieg in der Ukraine stellen den Einkauf immer wieder vor neue Herausforderungen. Unterschiedlichste produzierende Branchen klagen über Lieferengpässe und massive Preissteigerungen. Stahl, Aluminium, Kupfer, Nickel, Kunststoffe, Elektronik, elektrische Bauteile, Holz, Agrarrohstoffe bis hin zu Kaufteilen bereiten vielen Mittelständlern großes Kopfzerbrechen. Dazu kommen der Energiepreis-Schock und eine gestörte globale Logistik. Die Versorgungssicherheit und die Eindämmung ungerechtfertigter Preissteigerungen ist in vielen Unternehmen das Thema Nummer eins. In diesem Artikel geben wir Ihnen Tipps, was Sie gegen Lieferengpässe und Mondpreise tun können.

Die wesentlichen Themen für das eigene Unternehmen, sind rasch zu identifizieren und mit einer Risikoanalyse neu zu priorisieren. Führen Sie eine solche Risikoanalyse nach Warengruppen, Lieferanten und Ländern durch, um daraus strukturierte Maßnahmen abzuleiten. Der Krieg in der Ukraine und die Auswirkungen der Sanktionen legen für viele Unternehmen zudem eine erneute Task Force nahe.

Grundsätzlich glauben wir, dass die aktuellen Lieferschwierigkeiten und Preissteigerungen über das ganze Jahr 2022 Bestand haben werden. Man sollte sich immer wieder vor Augen führen, dass die globale Welt nicht mehr so ist, wie sie vor einigen Jahren oder noch wenigen Wochen gedacht wurde. Es sind ungeahnte Risiken dazugekommen, mit denen sich die Mittelständler beschäftigen müssen. Dazu zählen politische Instabilitäten, Cyberkriminalität, Engpässe in den Lieferketten, Rohstoffpreisinflation, Energiepreis-Schock, Währungsrisiken, Explosion der Transportpreise oder fehlende bzw. wegbrechende Transportkapazitäten. Deswegen ist eine Risikobeurteilung und proaktive Risikobehandlung dringlich. Ansätze zur Risikovermeidung oder -reduktion, etwa mit alternativen Lieferanten (Second Sourcing), in Kombination mit lokaler Beschaffung vor den Toren der weltweiten Werke sind daher sehr wichtige Themen, die man nicht aufschieben kann.

Eine naheliegende Massnahme ist die Nutzung und Erhöhung von Lagerbeständen, um die Versorgungssicherheit zu verbessern. Zudem kann man erneut das Bestellvolumen erhöhen und den Bestellhorizont verlängern. Unschärfen in der Bedarfsabschätzung sind gegebenenfalls in Kauf zu nehmen. Die Suche nach zusätzlichem Lagerraum oder Verhandlungen mit dem bereits genutzten Lagerhaus, um die Lagerkapazitäten auszuweiten, sind dabei Schritte, die in Betracht gezogen werden sollten. Dabei muss gut überlegt werden, wie viel Geld man im Lager zu Gunsten der Versorgungssicherheit binden möchte und in wie weit man das Risiko drohender Abschreiber auf obsoleten Beständen tragen will.

Kennen und bewerten Sie den Einfluss der Rohstoffkosten auf Ihre Produktkosten? Als Erstes ist Transparenz ein absolutes Muss in einer solchen Situation. Zerlegen Sie Ihre Kostenstruktur in die wichtigsten Kostenblöcke, und genau das sollten Sie auch von Ihren Lieferanten einfordern. Offene Kalkulationen sind die Basis für wirkliche Partnerschaften, und nicht nur Lippenbekenntnisse. Nur gut begründete und damit gerechtfertigte Preissprünge können temporär akzeptiert werden. Erst mit einer transparenten Kostenstruktur lassen sich die richtigen und wichtigen nächsten Schritte definieren. Diese können von Nachverhandlungen, Benchmarking, Ausschreibungen, technischen Wertanalysen bis zur Suche nach Substituten gehen. Man darf jetzt keine Tabus mehr akzeptieren und alles sollte hinterfragt werden. Laden Sie Ihre Lieferanten zu Workshops ein und erarbeiten Sie gemeinsam Strategien zur Abwehr von massiven Preissteigerungen.

Alternativlieferanten erschließen, versteckte Überkapazitäten am Markt sondieren, Netzwerke der Verbände, der Einkäufer-Community und Einkaufsberater branchenübergreifend anfragen. Zwar haben beispielsweise Automotive und Maschinenbau unterschiedliche Ausprägungen, können aber teilweise dieselben Zulieferer für sich nutzen. Einige Hersteller beliefern nicht nur Automobil-Serienabnehmer, sondern auch den Sonderfahrzeugbau oder den allgemeinen Maschinenbau. Wenn es Unternehmen schwächelnder Branchen schlecht geht, kann es daher gut sein, dass deren Lieferanten eventuell unerkannte Überkapazitäten haben, von denen Mittelständler florierender Branchen profitieren können. Deswegen lohnt es sich auch, breit anzufragen und zu netzwerken, um herauszufinden, wer für welche Materialgruppen welche Lieferanten und welchen Händler kennt.

Unsere Erfahrung zeigt, dass viele Zulieferer und technische Händler rund um den Globus bei der Überbrückung von Lieferengpässen interessant sind. Die Branchen erholen sich in den verschiedenen Ländern der Erde unterschiedlich. Daher werden bestimmte Rohstoffe oder Bauteile in einem Land weniger nachgefragt als in anderen Ländern und sind dadurch günstiger bzw. verfügbarer. Deswegen lohnt der Blick auf andere europäische Länder oder Asien. Es gibt international teilweise Lagerbestände, die man so gar nicht erwarten würde, die sich aber durch digitales Global Sourcing aufspüren lassen.

Ein weiterer Hebel, können „befreundete“ Unternehmen sein, die eventuell noch Material auf Lager liegen haben. Fragen Sie bei Ihren Lieferanten, welche ihrer Kunden zuletzt eine größere Menge des Materials bekommen haben, welches Sie benötigen.

Starten Sie eine internationale Ausschreibung, um neue Beschaffungsmärkte zu finden, und eventuelle Materialreserven zu finden.

 

Kontakt:
Kloepfel Consulting
Christopher Willson
Tel.: 0211 941 984 33
Mail: rendite@kloepfel-consulting.com

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