Daimler gibt Zukunftstechnologie Platooning auf

Autor: Mario Schmidtgen
Datum: 10.01.2019

Technologie stellt kein profitables Geschäftsmodell dar

Drei Jahre ist es nun schon her, dass Daimler auf seinem Technikkongress in Düsseldorf eine Technik präsentierte, die die Zukunft einläutete. Damals gab es eine Live-Übertragung von der Autobahn 52, auf dem drei aneinandergekoppelte Lastwagen dicht an dicht über die Autobahn fuhren. Die gesamte Branche setzte ihre Hoffnungen in diese Idee. Auf der Messe CES in Las Vegas ruderte Daimler nun jedoch zurück. Martin Daum, Truck-Vorstand bei Daimler, machte deutlich, dass die Technik wohl keine Zukunft haben werde und Daimler die Arbeit daran einstellen werde.

Platooning ermöglicht es Lastwagen mit einem kleineren Abstand von rund 15 Metern deutlich näher aneinander die Autobahnen zu passieren. Dadurch soll zum einen die Aerodynamik verbessert und zum anderen Kraftstoff eingespart werden. Verbunden sind die Lastwagen dabei via WLAN. Innerhalb weniger Sekunden gibt das führende Fahrzeug ein Bremssignal an die folgenden Trucks weiter. Das führt unter anderem zur Entlastung der Fahrer der hinteren Wagen. Zudem wird auf der Straße weniger Platz benötigt.

Aktuell ist es jedoch nur möglich die Technik als Test mit einer Ausnahmegenehmigung durchzuführen. Grund dafür ist die Straßenverkehrsordnung, laut der ein Mindestabstand von 50 Metern eingehalten werden muss. Um eine europaweite rechtliche Grundlage für das Platooning zu schaffen, schickten die Unternehmen Mercedes-Benz, MAN, Scania, Iveco und Daf zu Demonstrationszwecken Konvois aus Lastwagen zu Demonstrationszwecken nach Brüssel. Der Aufruf dazu kam von der niederländischen Regierung.

Genau wie andere Lkw-Hersteller auch führte Daimler viele Praxistests durch. Schenker testete mit MAN-Trucks auf der Strecke zwischen München und Augsburg. Daimler führte Test in den USA und Japan durch. Martin Daum, Truck-Vorstand von Daimler, war nach den Tests nicht besonders begeistert. Sogar in den USA habe man mit der neuen Technik sehr viel weniger eingespart als erwartet. Daher ist Platooning wohl kein profitables Geschäftsmodell für Daimler in den USA. In Europa dürfte das dann durch die Streckenführung und Topografie noch ungünstiger sein. Mit dem Ausstieg von Daimler dürften sich die Chancen der Technik generell verschlechtert haben, da es nur durch die Koppelung von Lkws verschiedener Marken zu wirklichen Vorteilen kommen dürfte.

Die Traton-Gruppe, mit den Marken MAN und Scania, wird die Arbeit an der Technologie jedoch fortführen. „Wir sehen es als wichtigen Schritt in Richtung autonomes Fahren“, so eine Sprecherin. Jedoch sind einige Voraussetzungen zu schaffen, bevor es langfristig vom manuellen zum autonomen Fahrzeug geht. Dazu gehören unter anderem die Assistenz- und Steuerungssysteme sowie die Bereiche IT und Telekommunikation. „Wir gewinnen weiterhin wertvolle Erfahrung durch unsere zahlreichen Tests bei MAN und Scania“, so die Traton-Sprecherin.

Hinter dem Rückzug von Daimler könnte unter anderem ein neues Ziel stecken, immerhin arbeitet der Konzern ehrgeizig daran einen autonom fahrenden Lastwagen auf die Straße zu bringen. Erst im September 2018 präsentierte der Konzern auf der IAA in Hannover den ersten teilautomatisierten Truck. Im kommenden Jahr sollen dann rund 500 Millionen Euro in die Entwicklung von hochautomatisierten Trucks gesteckt werden. Dieses Ziel soll schließlich innerhalb eines Jahres erreicht werden. Rund 200 Menschen sollen daran mitarbeiten. Vor allem Mechatronik-Ingenieure und Robotik-Spezialisten werden hierfür gesucht.

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