Kooperation zwischen Paypal und Google

Autor: Mario Schmidtgen
Datum: 11.10.2018

Besitzer von Android-Handys können Google Pay nun ohne Kreditkarte nutzen

Auch wenn das Bezahlen per Smartphone in Deutschland noch in den Startlöchern steht, so scheint es ein neues Licht am Ende des Tunnels zu geben: Paypal ermöglicht es seinen Kunden nun per Google Pay mobil zu bezahlen.

Erst Ende Juni ging Google Pay in Deutschland an den Start. Mit dabei die vier Partnerbanken Commerzbank, Comdirekt, N26 und Wirecard. Um mit der App zu zahlen müssen die Bankkunden lediglich die App auf ihrem Smartphone installieren und diese mit der Kreditkarte ihrer Bank verknüpfen. Zudem kann Google Pay auch online als Zahlmethode genutzt werden. Ein wichtiger Punkt, da die Zahl der Menschen, die über das Smartphone shoppen immer stärker wächst.

Doch ein Punkt ist an der Kooperation zwischen Paypal und Google ganz besonders: Rund 21 Millionen Deutsche besitzen bereits ein Paypal-Konto, welches sie für ihre Onlineeinkäufe nutzen. Alle dieser Nutzer, die über ein Android-Handy verfügen, haben nun die Möglichkeit ihren Paypal-Account als Zahlungsmethode in der Google-Pay-App zu hinterlegen. Android-Smartphones haben in Deutschland immerhin einen Marktanteil von 80 Prozent. Vor allem für Konsumenten ohne Kreditkarte, bringt die Kooperation einen deutlichen Vorteil.

Die Kooperation ist jedoch nicht Paypals erster Versuch im Einzelhandel Fuß zu fassen. Schon im April 2017 versuchte Paypal gemeinsam mit Vodafone eine mobile Geldbörse mit dem Namen Vodafone Wallet zu etablieren. Auch bei Vodafone Wallet wurde ähnlich wie bei Google Pay eine virtuelle Debit-Kreditkarte hinterlegt. Bei dieser hatte man die Möglichkeit sie entweder mit einer Visa-Kreditkarte oder einem Paypal-Konto zu verbinden. Dabei gab es einen entscheidenden Vorteil: Die Bezahlkarten waren auf der SIM-Karte hinterlegt, wodurch auch mit einem leeren Handy mobil bezahlt werden konnte. Jedoch war durch die Vertragsbindung und die Voraussetzung eines Android-Handys der Nutzerkreis stark eingeschränkt. Insgesamt konnte diese Kooperation nur 14 Monate auf dem Markt bestehen und wurde schließlich im Juni aufgelöst.

Es ist sehr wahrscheinlich, dass die deutschen Banken ein besonderes Auge auf diese Zusammenarbeit richten. Schließlich wächst die Konkurrenz sowohl durch Paypal als auch durch Tech-Unternehmen wie Amazon, Apple und Google immer weiter an. Experten gehen davon aus, dass vor allem die Tech-Konzerne in Zukunft immer stärker im Finanzbereich vertreten sein werden.

Aktuell schaffen es aber auch Paypal und Google nur in Zusammenarbeit. Zudem spielt auch der Kreditkartenanbieter Mastercard eine Rolle in der Kooperation. Das Paypal-Konto wird mit einer digitalen Debit-Mastercard verbunden, was die Nutzung von Paypal in Google Pay erst möglich macht. Anders als bei klassischen Kreditkarten, belasten Debit-Kreditkarten das Konto direkt. Damit eine Zahlung erfolgreich abläuft, müssen Paypal-Kunden jedoch ein beliebiges gültiges Bankkonto in ihrem Paypal-Account hinterlegt haben.

China ist einer der größten Player in Sachen mobiles Bezahlen. In einem Großteil der anderen Länder steht das mobile Bezahlen noch ganz am Anfang. Jedoch bezahlen die Menschen in anderen Ländern weitaus öfter mit Bank- bzw. Kreditkarten als die Deutschen. In Deutschland ist Bargeld immer noch ganz hoch im Kurs. Rund drei Viertel der Einkäufe bezahlen die Deutschen immer noch mit Scheinen und Münzen. Außerdem haben viele Angst vor Sicherheitslücken, die beim Zahlen per Smartphone entstehen könnten.

Das mobile Bezahlen könnte sich in der nächsten Zeit jedoch weiter ausbreiten, da auch Apple angekündigt hat, den Bezahldienst Apple Pay zum Ende des Jahres nach Deutschland zu bringen. Aktuell gibt es für Apple-Nutzer keine mobile Zahlmethode, da Apple die NFC-Schnittstellen für andere Bezahl-Apps bislang noch sperrt.

Das ist der Grund dafür, dass bislang nur Android-User die Angebote der Banken nutzen können. Seit ein paar Wochen bieten so zum Beispiel auch die Sparkasse und die Volks- und Raiffeisenbank ein Bezahlsystem für Android-Smartphones an. Damit können die Kunden der Sparkasse in einer separaten Bezahl-App ihr Giro- und/oder Kreditkarte hinterlegen und das Smartphone zum Zahlen nutzen.

Die Deutsche Bank brachte schon im Frühjahr 2017 ein mobiles Zahlsystem auf den Markt. Für dieses benötigen die Kunden neben dem Android-Smartphone auch noch eine Mastercard, wodurch die Zielgruppe stark eingeschränkt wird.
Doch auch für iPhone-Nutzer gibt es aktuell eine Möglichkeit mit der mobil bezahlt werden kann: Seit nunmehr zwei Jahren bietet Payback eine App an, mit der im Supermarkt bezahlt werden kann. Damit das funktioniert muss die App lediglich einen QR-Code generieren, der dann von dem Kassierer bzw. der Kassiererin gescannt wird.

Bei den Bezahl-Apps kommt die Funktechnik NFC zum Einsatz. Etwa 475.000 Kassen sind in Deutschland damit ausgestattet. Das sind etwa 60 Prozent aller existierenden Kassenterminals. In Zukunft soll die Zahl noch weiter zunehmen.

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