100.000 Arbeitsstellen in Deutschland wegen Brexit gefährdet

Autor: Osman Cetinkaya
Datum: 12.02.2019

Keine guten Aussichten für Arbeitsmarkt

Nach Angaben einer Studie des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) und der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, sind in Deutschland rund 100.000 Arbeitsplätze aufgrund des Brexits gefährdet, so ein Bericht der „Welt am Sonntag“. Oliver Holtemöller, Studienautor, nimmt Stellung: „In keinem anderen Staat ist der Effekt auf die Gesamtbeschäftigung so groß wie in Deutschland.“

Würde der Brexit ungeregelt bleiben, würden wieder Zölle auf Importe nach Großbritannien erhoben werden. Jedoch erfasst die Simulation der Wissenschaftler lediglich Jobeffekte, die auf den daraus folgenden Exporteinbruch zurückzuführen sind. Weitere Risiken des Brexits für den Arbeitsmarkt, wie eine sinkende Investitionsbereitschaft, bilden die Zahlen erst einmal nicht ab.

Von einem Exportrückgang ist in Deutschland hauptsächlich die Autoindustrie betroffen. An dem VW-Standort in Wolfsburg sowie in dem BMW-Werk in Dingolfing-Landau in Niederbayern werde es die größten Auswirkungen geben, gemessen an der Gesamtzahl der Beschäftigten. So würden laut Studie in Wolfsburg rund 500 Arbeitnehmer ihren Job verlieren und in Dingolfing-Landau rund 265. An beiden Standorten wären das 0,4 Prozent der Beschäftigten in den Werken.

Auch 726 Arbeitnehmer im Landkreis Böblingen müssen um ihre Arbeitsstellen bangen. Dort sind Technologiekonzerne wie IBM, Siemens, aber auch Daimler betroffen. Insgesamt sehen die Wissenschaftler insbesondere Gefahren für Landkreise in Bayern, NRW und Baden-Württemberg. In Ostdeutschland sind die Arbeitsstellen jedoch kaum betroffen.

Auch Frankreich ist neben Deutschland ein weiteres EU-Land, das durch den ungeregelten Brexit Probleme auf dem Arbeitsmarkt bekommen könnte. In diesem Land sind ungefähr 50.000 Arbeitsnehmer betroffen. In China sogar 59.000. Wenn man nach der Gesamtbevölkerung gehen würde, seien die Auswirkungen in Malta und Irland am größten. Nach den Berechnungen zufolge sind 612.000 Menschen davon betroffen, nach einem ungeregelten Brexit ihren Job zu verlieren.

Die Ergebnisse der Studie sind Teil einer Simulationsrechnung. Die Autoren sind für die Berechnung davon ausgegangen, dass die Importe Großbritanniens nach einem ungeordneten Brexit um rund 25 Prozent einbrechen. Es wurde eine Formel entwickelt, mit der man berechnen kann, wie sich ein Importeinbruch auf welche Industrie und auf welches Land auswirken könnte.

Jedoch gibt es auch Brexit-Nachrichten, die in der EU Arbeitnehmern Hoffnung machen könnten. Vergangenen Samstag teilte das niederländische Wirtschaftsministerium mit, dass 42 Unternehmen aus Großbritannien seit Anfang 2018 in die Niederlande umgezogen sind. Hier wurden rund 2000 neue Arbeitsplätze geschaffen.

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