Inflationsauswirkung auf Lieferketten in Europa

Autor: Marcus Schilling
Datum: 13.09.2023

Herausforderungen und Trends in der Lieferkettenbewirtschaftung

Im Rahme einer Studie wurden Beschaffungsleiter aus Europa zu ihren Lieferketten befragt. Im Ergebnis zeigt sich, dass 89 Prozent der Lieferketten im vergangen Jahr durch die Inflation gestört waren. Diese Untersuchung wurde von Ivalua durchgeführt.

Die Studie verdeutlicht , dass aufgrund der steigenden Inflation und den damit zusammenhängenden höheren Kosten die Mehrheit der Unternehmen ihre Bemühungen zur Verbesserung einer nachhaltigen Lieferkette und Arbeitsstandards einschränken musste. Dies geschah trotz des zunehmenden Drucks von Regulierungsbehörden sowie einer Zunahme der Ausbeutungen in der Arbeitswelt.

Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz und weitere Herausforderungen

Im Januar 2023 wurde das deutsche Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) verabschiedet. Bisher haben nur 22 Prozent von den befragten deutschen Unternehmen das Lieferkettengesetz realisieren können. 47 Prozent der befragten Unternehmen befinden sich in der Umsetzung, 17 Prozent in der Planung.

Die Studie zeigt, dass steigende Kosten dazu führen, dass über die Hälfte der Unternehmen günstigere Lieferanten bevorzugen, anstatt umweltfreundlichere. Deutsche Unternehmen sind zudem stärker von Sanktionen im Ukraine-Konflikt betroffen als andere europäische Länder. Ein weiterer Trend ist das Onshoring, bei dem 39 Prozent der Unternehmen bereits auf lokale Lieferanten umgestiegen sind und 43 Prozent dies planen. Dies geschieht aus Gründen der Kostensenkung und zur Vermeidung geopolitischer Störungen. Bei Onshoring ist es wichtig, dass die Lieferketten eine vielfältige Risikoprofilstruktur aufweisen, um besser mit lokalen Störungen umzugehen und die Risiken zu minimieren. Unternehmen setzen aufgrund der Inflation verstärkt auf Kostensenkungen und betriebliche Effizienz.

„Die Inflation verhindert weitere Fortschritte im ESG-Bereich. Wenn die Unternehmen Kosten senken, um dem Sturm der Inflation zu trotzen, bleiben der Umweltschutz und der Schutz vor moderner Sklaverei auf der Strecke. Dadurch laufen die Unternehmen Gefahr, ihre Netto-Null-Ziele zu verfehlen, Greenwashing zu betreiben und die regulatorischen ESG-Anforderungen nicht mehr zu erfüllen“, kommentiert Alex Saric, Experte für Smart Procurement bei Ivalua.

Außerdem haben steigende Energie-, Kraftstoff- und Rohstoffkosten die Unternehmen in den letzten zwölf Monaten stark beeinträchtigt.

Lösungsansätze

Mehr als die Hälfte der Beschaffungsleiter wünscht sich eine größere Verantwortung zur Bewältigung von Unsicherheiten, jedoch fühlt sich lediglich ein Drittel von ihren Unternehmen ausreichend dazu ermächtigt.

Saric erklärt, dass die Beschaffung bei der Bewältigung der Inflation eine Rolle spielt. Technologie kann die Transparenz in der Lieferkette verbessern und gemeinsame Kosteneinsparungsmöglichkeiten mit Lieferanten identifizieren.