Stagnation des globalen Handels wegen Staus vor Containerhäfen

Autor: Mario Schmidtgen
Datum: 23.09.2021

Kiel Trade Indicator September 2021

Durch anhaltende Staus vor wichtigen Containerhäfen stagniert der globale Handel. Das berichtet das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW Kiel) in seinem Datenupdate des Kiel Trade Indicator. Demnach liegt der Indikatorwert für den Welthandel bei Null – nach Aussage des Instituts dürfte das eine Stagnation des Welthandels im September bedeuten.

Deutschland: Handel auf Niveau des Vormonats

Für Deutschland, die EU und die USA ist dem IfW zufolge ein Handel auf dem Niveau des Vormonats erkennbar.

Der Indikatorwert für die deutschen Exporte liegt im September bei 0,1 Prozent, derjenige für die Importe bei 0,2 Prozent. In der EU dürften die Exporte nicht über das Niveau des Vormonats hinauskommen, schreibt das IfW. Die Importe könnten leicht steigen. Gleichzeitig wird für die EU ein Indikatorwert für die Exporte von -0,1 Prozent und für die Importe von +0,7 Prozent genannt.

Für die USA hat der Kiel Trade Indicator für beide Bereiche negative Vorzeichen (Exporte: -0,5 Prozent; Importe: -0,7 Prozent).

China: Mehr Ware verschifft trotz Staus

China scheint eine Methode gefunden zu haben, erfolgreich mit den Schließungen seiner Terminals in den Häfen Ningbo-Zhoushan und Yantian umzugehen. So wurde trotz Staus vor der chinesischen Küste in den letzten vier Wochen mehr Ware aus diesen Häfen sowie aus Shenzhen verschifft als im Vergleichszeitraum, wie das IfW mitteilt.

Der Wert des Kiel Trade Indicator für die chinesischen Exporte beträgt im September 6,2 Prozent. Für die Importe liegt er bei 0.8 Prozent.

Steigende Preise und Engpässe bei bestimmten Waren

Das IfW weist darauf hin, dass sich in den Häfen von Ningbo-Zhoushan und Los Angeles derzeit jeweils etwa 3 Prozent der globalen Transportkapazitäten in den Hauptwartebereichen stauen. Außerdem schreibt das Institut, dass das Frachtvolumen im Roten Meer gegenwärtig 14 Prozent niedriger liege als unter normalen Umständen zu erwarten wäre.

Zusammenfassend sagt Vincent Stamer, Leiter Kiel Trade Indicator: „Die Terminal-Schließungen in China hinterlassen ihre Spuren und dämpfen den Warenaustausch. Eine nachhaltige Entspannung der Lage zeichnet sich nicht ab, das trübt die Aussichten für den internationalen Handel.“ Dies dürfte sich über steigende Preise und anhaltende Engpässe bei bestimmten Waren bemerkbar machen, ergänzt Stamer. Über das Weihnachtsgeschäft sagt der Forscher: „Weihnachten fällt nicht aus, aber gerade bei Produkten aus China und Asien sind fehlende Lieferungen oder höhere Preise zu befürchten.“