Aldi errichtet Elektrotankstellen

Autor: Mario Schmidtgen
Datum: 10.08.2018

28 Filialen in Autobahnnähe sind betroffen

Aktuell gibt es in Deutschland nur wenige Elektrotankstellen. Schon bald könnte das allerdings ganz anders aussehen: An insgesamt 28 Filialen baut Aldi Süd das Netz mit Ladesäulen nun weiter aus. Doch Aldi ist nicht das einzige Handelsunternehmen, das seine Kunden durch Ladesäulen in die Filialen holt.

Elektroautobesitzer können aufatmen, denn schon bald könnte es für sie wesentlich leichter werden quer durch Deutschland zu reisen. Entlang der deutschen Autobahnen will Aldi Süd Schnelladesäulen erreichten, an denen ihre Kunden die Möglichkeit haben Fahrzeuge kostenlos aufzuladen. Abhängig vom Fahrzeugtyp ist so eine Reichweitenverlängerung von etwa 200 Kilometern in nur 30 Minuten möglich.

Zum Hintergrund: Einige Handelsketten haben entdeckt, dass sie durch den Einsatz von Elektromobilität die Kunden für sich gewinnen können. Aktuell sind öffentliche Ladestationen in Deutschland immerhin noch Mangelware und vor allem Schnellladesäulen glänzen mit absoluter Seltenheit. Erst vor kurzem war auf einer Ausgabe des „Handelsblatts“ „Deutschland ist bei Ladestationen für Elektroautos ein Entwicklungsland“ zu lesen.

Doch die Zahl der Händler die Ladestationen anbieten steigt. So hat etwa Ikea 53 Einrichtungshäuser mit E-Tankstellen bestückt. 2019 sollen dann alle Warenhäuser ausgestattet sein. Ikea sagte dazu, dass das Angebot vor allem an Frei- und Samstagen von den Kunden in Anspruch genommen werde.

Auch Rewe hat bereits an über 50 Filialen Ladesäulen aufgestellt und auch Kaufland hat es sich zum Ziel gesetzt bis Anfang 2019 über 100 Schnellladestationen aufzubauen. Bei Lidl haben Kunden bislang in neun Filialen die Möglichkeit grün zu tanken. „Unser Ziel ist es, zukünftig jede neu eröffnete Filiale mit einer E-Ladesäule auszustatten“, so das Unternehmen.

„Für die Unternehmen lohnt sich das Engagement beim Thema Elektromobilität auf jeden Fall. Es stärkt das Image. Die Marke wirkt dadurch jugendlicher und umweltfreundlicher“, erklärt Martin Fassnacht, Marketing-Experte von der Wirtschaftshochschule WHU die Strategie der Händler. Zudem wird durch die Errichtung von Stromtankstellen eine Zielgruppe angezogen, die sehr zahlungskräftig ist.

Doch auch wenn es aktuell so scheint, als ob andere Händler bereits vor Aldi diese Idee hatten, stimmt das so nicht. Bereits seit 2015 errichtet das Unternehmen erste Ladesäulen an ausgewählten Pilotfilialen. Diese befinden sich allerdings fast ausschließlich in den Großstädten. Der nächste Schritt soll es nun sein, den Service auf die großen Hauptverkehrsrouten auszuweiten.

„Bisher haben wir uns auf die Ballungszentren und Innenstädte konzentriert. Jetzt ermöglichen wir unseren Kunden auch, ihre Urlaubsfahrten mit uns zu planen“, sagt Florian Kempf, Leiter Energiemanagement bei Aldi Süd. Die neu ausgewählten Filialen befinden sich alle höchstens fünf Minuten Fahrzeit von den Autobahnen A3, A5, A6, A7, A8 und A9 entfernt.

Doch man bedenke, dass sich die Stationen nur in Süd- und Westdeutschland befinden, also an den Standorten an denen Aldi Süd aktiv ist. Aldi Nord beteiligt sich nicht an der Aktion. Auf Anfragen sagte das Unternehmen: „Aldi Nord verfügt derzeit über keine Ladestationen für Elektronik-Fahrzeuge“. Als Grund gab das Unternehmen an, dass es aktuell noch viele verschiedene Ladesysteme gebe, sie ihren Kunden jedoch gerne ein einheitliches System präsentieren würden.

Zudem ist aktuell noch nicht klar, wie sich die bislang eher geringe Nachfrage in den kommenden Jahren weiterentwickeln wird. So gab Aldi Süd an gerade einmal „vier bis fünf Ladevorgänge pro Öffnungstag“ durchzuführen.

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