Lage der Deutschen Bahn kritisch

Autor: Dimitri Lagun
Datum: 13.09.2018

Schulden möglicherweise bis zu 20 Milliarden Euro

Um die Deutsche Bahn scheint es kritisch zu stehen. Konzernchef Richard Lutz hat gemeinsam mit seinen Vorstandkollegen einen Brandbrief an die Führungskräfte der Bahn verfasst, in dem er appelliert, den negativen Trend des Unternehmens umzukehren. Die Deutsche Bahn befinde sich „in einer schwierigen Situation“, die sich in den letzten Monaten nur verschlechtert habe. „Da gibt es leider nichts zu beschönigen“, heißt es in dem Schreiben.

Grund dafür sind steigende Schulden, weniger Gewinn als geplant, Probleme in der Gütersparte sowie höhere Ausgaben aufgrund von Verspätungen. Das operative Ergebnis lag auch im Juli „deutlich unter dem Vorjahr und weit weg von unserer Zielsetzung“, heißt es aus Unternehmenskreisen. Das Ergebnisziel des Konzerns, welches bereits auf 2,1 Milliarden Euro reduziert wurde, könne trotzdem nicht eingehalten werden. Lutz gab laut dem „Spiegel“ bereits zwei Gewinnwarnungen in diesem Jahr, eine dritte wolle er vermeiden.

Zudem kündigte Lutz an, er wolle die Eisenbahn in Deutschland verstärkt operativ aus dem Konzernvorstand leiten. Er fordert eine engere Zusammenarbeit der einzelnen Geschäftsfelder und das Vermeiden von Ressort-Egoismen.

Pünktlichkeit weiter erfolglos

Weiterhin hat die Deutsche Bahn mit dem Thema Pünktlichkeit zu kämpfen. Im August lagen die Verspätungen der Fernzüge noch höher als zuvor. Drei von zehn ICE und Intercitys erreichten ihr Ziel zu spät. Die Pünktlichkeitsquote betrug 69,8 Prozent im August, nur 42,1 Prozent im Juli und 74,7 Prozent im Juni.

„Wie schon im Vormonat führte die anhaltende Hitzeperiode auch im August zu Störungen an Fahrzeugen und Infrastruktur“, begründete die Bahn die häufigen Verspätungen. Die Bahn wolle „die in den beiden Hitzemonaten angesammelten Störungen an Fahrzeugen und Infrastruktur nun zügig abarbeiten und im September wieder pünktlicher unterwegs sein.“

In dem Brief an die Führungskräfte gab Lutz an, sich verstärkt gegen die Verspätungen einsetzen zu wollen: „Das sind wir nicht nur unseren Kunden, sondern auch unseren Mitarbeitern schuldig.“

Mögliche Schulden von 20 Milliarden

Laut mehreren Konzernmanagern habe der Staatskonzern ein Ausgaben-Stopp verhängt, um ein weiteres Absinken zu verhindern. Seitdem benötigen Bestellungen ab einer bestimmten Summe eine Sondergenehmigung, um in Auftrag gegeben werden zu können. Grund dafür sei, dass sich die Lage des Nahverkehrs sowie der seit Jahren kriselnden Güterbahn verschlimmere.

Außerdem hat der Konzern geplant, dieses Jahr den Anstieg der Schulden zu reduzieren. Diese sollen im Laufe des Jahres die 20-Milliarden-Euro-Grenze überschreiten. Laut internen Berechnungen sollen die Schulden bis 2023 auf 25 Milliarden Euro ansteigen, falls dem nicht entgegengesteuert wird.

„Ausdrücklich klar ist aber auch, dass an Maßnahmen für Qualität und Kundenzufriedenheit nicht gespart wird“, so eine Sprecherin des Konzerns.

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