Russischer Discounter greift Lidl und Aldi an

Autor: Marcus Schilling
Datum: 05.12.2018

Neuer Discounter bald in Deutschland

Die deutschen Marktführer im Discountersegment bekommen Konkurrenz: Ein russischer Lebensmittel-Discounter plant, sein Geschäft nach Deutschland zu bringen. Die Firma Torgservis sitzt in Sibirien, dessen Tochterunternehmen TS-Markt soll noch in diesem Jahr den ersten Laden hierzulande eröffnen.

Die Unternehmensgruppe wurde 2009 von der Unternehmerin Valentina Shnayder gegründet. Mit Erfolg leitet Torgservis rund 800 Geschäfte und erwirtschaftet einen Umsatz von umgerechnet 1,3 Milliarden Euro mit nur drei Ladenketten. Etwa die Hälfte sind Billig-Geschäfte, welche durch ein Franchisesystem geleitet werden.

Das russische Unternehmen hat geplant, die erste Expansionsstufe nun umsetzen zu wollen und 100 Geschäfte zu eröffnen. Dies gab TS-Markt der „Welt“ bekannt. Die Filialen sollen bundesweit verteilt werden und sich nicht nur auf Ostdeutschland, wie es in Spekulationen hieß, fokussieren. Die Expansion werde „sanft“ durchgeführt, also Schritt für Schritt.

Täglich Tiefpreise geboten

Falls der Discounter Erfolg hat, ist ein neuer Preiskampf auf dem Lebensmittelmarkt zu erwarten. Die Ladenkette soll „Mere“ getauft werden und mit dem Konzept „jeden Tag nur Tiefstpreise“ geführt werden. In Rumänien hat das Unternehmen bereits Fuß gefasst und verkauft Basisprodukte wie Milch, Salz, Kaffee oder Nudeln laut Marktbeobachtern bis zu 20 Prozent billiger als die Konkurrenz. Auch in Deutschland soll ein derartiger Preisabstand eingeführt werden.

Prinzip Kosten zu senken

Die deutschen Filialen sollen spartanisch mit Paletten, Kartons, Kisten und Neonlicht eingerichtet werden und an frühere Einkaufserlebnisse erinnern. Dies gab die Ausschreibung auf der deutschen Firmenwebsite für die Ladeneinrichtung bekannt. Das Tochterunternehmen, welches sich in Berlin niedergelassen hat, sucht vorrangig Schwerlastregale bis zu 3,5 Metern, Gitterboxen und Wühltische sowie Obst- und Gemüseständer. Ladenregale oder Frischetheken sind nicht vorgesehen. Beispielsweise wird für ein neues Geschäft in Russland schätzungsweise eine Million Rubel, rund 13.000 Euro, investiert. In Deutschland könnte die Summe etwas höher ausfallen.

Das Sortiment umfasst rund 1.500 Artikel, 90 bis 95 Prozent stammen von Eigenmarken. 70 Prozent der Produkte sind haltbare Lebensmittel in Konserven, Gläsern und der Rest Tierfutter, Hygienebedarf, Haushaltsartikel sowie Textilien. Auch bei dem Sortiment wird auf „billig“ geachtet. Beispielsweise wurden in Rumänien bei Mere eine Bratpfanne für 4,99 Euro verkauft, zehn Weihnachtskugeln für 3,99 und sechs Trinkgläser für 2,99, so das Magazin „Chip“.

Laut der Meinung von Handelsexperten ziele Mere darauf ab, die Nische zu erobern, die die deutschen Discounter verlassen haben: „Discounter wie Aldi und Lidl haben ihre Konzepte in den vergangenen Jahren dramatisch aufgewertet und sich den Supermärkten angenähert. Sie bieten mehr Frische, breitere und tiefere Sortimente, Bio- und Fairtrade-Produkte. Das treibt natürlich auch die Kosten hoch“, erläutert Michael Gerling, Chef des Kölner Handelsforschungsinstituts EHI.

Deutsche Discounter werden reagieren

Weiterhin schätzt Gerling, dass die deutschen Platzhirsche der russischen Konkurrenz nicht tatenlos zusehen werden. Ihr Vorteil seien die tausenden Filialen mit einem umfassenden Vertriebskonzept, wodurch sich in Sachen Einkaufspreisen einfach eine Nachfragemacht ausspielen lasse. Zudem werde auf Preissenkungen der Konkurrenz sofort reagiert: „Aldi, Lidl und andere Wettbewerber werden ebenfalls die Preise senken. Sie werden einen Preisabstand nicht zulassen oder ihn zumindest so geringhalten, dass er für die Verbraucher nicht mehr relevant ist“, sagt Gerling voraus. „Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Neueinsteiger im Billigsegment Erfolg hat, ist relativ gering.“

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