Beschaffungsmarkt Schweden – Wie stark ist unser Vorrundengegner eigentlich?

Die Vorrunde der Fußball WM ist im vollen Gange. Zu diesem sportlichen Großereignis nimmt die Kloepfel Group die deutschen WM-Vorrunden Gegner und das Gastgeberland Russland im Beschaffungsmarktcheck genauer unter die Lupe. Erfahren Sie im dritten Teil unseres WM-Specials, was den Beschaffungsmarkt unseres Gruppengegners Schweden ausmacht, was es zu beachten gilt und welche Märkte besonders interessant sind.

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Beschaffung im hohen Norden

Das Land im hohen Norden hat neben seinen zahlreichen Wäldern und Seen noch Einiges mehr zu bieten. Ende des 19. Jahrhunderts gehörte Schweden noch zu den ärmsten Ländern Europas. Durch den Bau der Eisenbahn konnten jedoch Rohstoffvorkommen im Norden des Landes erschlossen werden, wodurch ein enormes Wirtschaftswachstum eingeleitet werden konnte. Das Land wandelte sich daraufhin innerhalb eines halben Jahrhunderts zu einem der reichsten Länder der Welt.

Der schwedische Binnenmarkt ist relativ klein, weshalb sich Unternehmen schon lange zu anderen Märkten orientieren und daher vor allem durch den Export von Waren Wachstum erreichen möchten. Zu den wichtigsten Exportzielen gehören die Länder Deutschland (12,1 Milliarden Euro), Norwegen (11,9 Milliarden Euro), USA (8,3 Milliarden Euro), Dänemark (8,2 Milliarden Euro) und Finnland (7,9 Milliarden Euro).

Gerechnet auf die Einwohnerzahl ist der Anteil an multinationalen Großunternehmen und international agierender Marken in Schweden hoch. Zu den international erfolgreichsten Unternehmen zählen Volvo, Ericsson, SCA, Vattenfall, Skanska, H&M, TeliaSonera, Electrolux, IKEA, AstraZeneca und Tetra Pak.

Zahlreiche Rohstoffvorkommen und ein hoher technischer Entwicklungsstand

Heutzutage ist Schweden Nordeuropas größte Volkswirtschaft. Die wichtigsten Industrieregionen liegen in der südschwedischen Öresundregion, dem Grenzgebiet zwischen Schweden und Dänemark. Zudem gilt die schwedische Hauptstadt Stockholm als das wichtigste Finanzzentrum Skandinaviens. Bedeutende Industriezweige stellen Chemie und Pharma, Maschinenbau, Kfz-Industrie, Papier, Energiewirtschaft und Medizintechnik dar. Enorm hohe Rohstoffressourcen wie Holz, Wasserkraft und verschiedene Erze fördern diese energieintensiven Branchen besonders.

In Sachen Forschung und Entwicklung ist Schweden ganz vorne mit dabei und verfügt über einen hohen technischen Entwicklungsstand. Die bedeutendsten schwedischen Zukunftsbranchen sind die Informations- und Kommunikationstechnologie, sowie die Biotechnik und Umwelttechnik. Hinzu kommen die „creative industries“ Design, Mode und Musik.

Wirtschaftliche und gesellschaftliche Strukturen

Das schwedische Wirtschaftswachstum liegt über dem EU-Durchschnitt. Für das Wachstum der Wirtschaft ist alleine der private Sektor verantwortlich. Die Zinsen und die Inflation sind niedrig. Durch die schwache Finanzlage der öffentlichen Hand, ist es zu drastischen Kürzungen der staatlichen Ausgaben gekommen. Das schwedische Erfolgsmodell wird durch eine soziale Politik, die klare Bekenntnis zum Wohlfahrtsstaat und eine Absicherung aller Bevölkerungsschichten geprägt. Das Brutto-Inlandsprodukt von Schweden belief sich 2017 auf 460.115 Schwedische Kronen (etwa 45.121 Euro). Während die traditionelle Landwirtschaft heute noch etwa 2 Prozent des BIP erwirtschaftet, macht der Dienstleistungssektor rund 70 Prozent aus.

Im vergangenen Jahr waren rund 5.022.000 Menschen im Alter zwischen 15 und 74 Jahren berufstätig. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Plus von 112.000 Beschäftigten. Die Zahl der Arbeitslosen lag bei 358.000 Personen, was einer Arbeitslosenquote von 6,7 Prozent entspricht. 99.000 von ihnen gelten dabei als langzeitarbeitslos und auch die Zahl der arbeitslosen Jugendlichen geht zurück. Während die Zahl 2017 bei 17,8 Prozent lag, waren es im Vorjahr noch 1,1 Prozentpunkte mehr. Ein Zuwachs der Beschäftigungsrate konnte besonders bei den ausländischen Arbeitnehmern verzeichnet werden. Dem schwedischen Arbeitsmarkt standen rund 1.136.000 ausländische Arbeitskräfte zur Verfügung, von denen 965.000 beschäftigt waren.
Wie der Großteil der westeuropäischen Länder verfügt auch Schweden über eine hohe Zuwanderungszahl von Kriegsflüchtlingen. Diese integriert der Staat nach und nach in die Arbeitswelt.

Unproblematischer Freihandel

Seit 1995 verfügt Schweden über kein eigenes Freihandelsabkommen mehr. Als Mitglied der Europäischen Union gelten für Schweden die gleichen Freihandelsabkommen wie für alle anderen Mitgliedsstaaten auch. Die EU verfügt bereits über Freihandelsabkommen mit einer großen Anzahl von Ländern und verhandelt zudem weitere Abkommen, zum Beispiel mit den Vereinigten Staaten.

Als Mitglied der Europäischen Union gehört Schweden zudem zu deren Zollgebiet, weshalb beim Handel zwischen Schweden und anderen EU-Staaten grundsätzlich keine Zollpapiere erforderlich sind.

Ausgeprägte Logistikinfrastruktur

Die zentrale Lage im Norden Europas und die intensiven außenwirtschaftlichen Verflechtungen begünstigen die landesweite Ansiedlung von Logistikzentren. Insgesamt sind rund 224.000 Menschen in den etwa 30.000 Logistikunternehmen beschäftigt. Jährlich werden dabei etwa 500 Millionen Tonnen Güter über Straßen, Schienen und Wasserwege transportiert.

Der Fokus der logistischen Aktivitäten liegt dabei auf dem Süden des Landes. Circa ein Drittel des schwedischen Außenhandels wird alleine in Göteborg abgewickelt. Aber auch der Bergbau im Norden Schwedens ist von großer Bedeutung für die Infrastruktur. Die Logistik wird in Schweden überwiegend von ausländischen Logistikdienstleistern, wie Schenker oder DHL, dominiert.

Mit Mautgebühren muss man in Schweden lediglich bei der Überquerung der Öresund- und Svinesundbrücke, sowie in den Innenstädten von Stockholm und Göteborg rechnen. Dies betrifft hier allerdings aktuell nur in Schweden zugelassene Kraftfahrzeuge.

Fazit

Der schwedische Beschaffungsmarkt hält viele Potenziale bereit und ist durchaus attraktiv für europäische Unternehmen. Zwar ist er aktuell noch relativ klein, doch durch die Mitgliedschaft in der Europäischen Union gibt es keinerlei Hürden, die sich einer Beschaffung aus Schweden in den Weg stellen. Ob die Schwedische Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft allerdings genauso gut abschneiden wird, wie ihr Beschaffungsmarkt, bleibt abzuwarten.

Über den Autor

Osman Cetinkaya – Senior Partner
Bei Kloepfel Consulting trägt Osman Cetinkaya die Verantwortung für die Projekte im Handels- und Dienstleistungsbereich. Zusätzlich führt er das Thema Human Resources für Kloepfel Consulting.

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Teil 1: Beschaffungsmarkt Russland – Das WM-Gastgeberland im Check

Teil 2: Beschaffungsmarkt Mexiko – Mehr als nur Siesta!

Teil 4: Beschaffungsmarkt Südkorea – Der WM-Gegner im Check

Teil 5: Beschaffungsmarkt Schweiz – Unser Nachbarland im Check

Teil 6: Beschaffungsmarkt Brasilien: Alles süß im Land des Zuckerhuts?

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