Neuer Hoffnungsträger an der Müller Spitze

Autor: Osman Cetinkaya
Datum: 10.03.2017

Neuer Vorstandschef Uwe Sommer

Ein neuer Vorstandschef gehört nun zur Spitze der Unternehmensgruppe Theo Müller (UTM). Uwe Sommer, ein erfolgreicher Topmanager, war vorher in der Konzernleitung des Schokoladenunternehmens Lindt & Sprüngli im Verkauf und Marketing tätig. Der vorherige CEO, Ronald Kers, kehrt nach zwei Jahren Tätigkeit als Geschäftsführer von Müller UK & Ireland nach England zurück. Sommer trägt seit zwei Jahrzehnten einen Anteil an dem erfolgreichen Aufstieg von Lindt, denn er spielte eine große Rolle bei dem Erfolg der Premiumstrategie und der internationalen Expansion des Schweizer Chocolatiers. Besonders der Markterfolg von Lindt in den USA könnte für Müller beneidenswert sein. Er selbst versuchte sich 2015 als Partner von PepsiCo, was ihm aber misslang.

Am liebsten hätte Müller Sommer schon vor Jahren miteinbezogen, denn als erfahrener Markenartikler könnte Sommer Schwung in die Marke Müller bringen und die Auslandsexpansion antreiben, die bisher nur auf Großbritannien beschränkt ist. Schon in den nächsten drei Jahren werden 1,3 Mrd. Euro in das Projekt hineingesteckt, denn nach Angabe von Kers soll UTM 2020 10 Mrd. Euro Jahresumsatz schaffen.

Sommer nimmt eine umstrittene Position ein: nach dem Thomas Hinderer die Position aufgab, fungierte Anfang 2006 Axel Dietz als Sprecher, der ein halbes Jahr später schon von Christoph Weiß als Vorsitzender der Geschäftsführung ersetzt wurde. Dieser wurde im Mai 2008 durch den ehemaligen Metro-Manager Thomas Hübner abgelöst, der aber nur drei Monate blieb. Ein Jahr später sollte Denis Schrey die Position übernehmen, ohne dass ihm das Amt des CEO übertragen wurde. Dies erreichte erst Mitte 2011 Geschäftspartner Heiner Kamps und danach schlussendlich 2015 Ronald Kers.

Kers konnte sich bewähren, indem er mit großem Verhandlungsgeschick die rasante Expansion von UTM in Großbritannien gemanagt hat. Inzwischen bringt Müllers „Schatzinsel“ mehr als die Hälfte des Konzernumsatzes ein. Wegen der Abwertung des britischen Pfunds 2016 sank der Gewinn von 6 Mrd. auf 5,7 Mrd. Euro. Dies schadete dem Gewinn kaum, Ebitda und der Jahresüberschuss erreichten das Vorjahresniveau von 480. Mio bzw. 170 Mio. Euro.

An der Konzernspitze hatte Kers weniger Erfolg. Zum einen wurde der Kauf eines Milchverarbeiters in Italien abgeblasen, andererseits verlor Kers die Verantwortlichkeit für die UTM-Töchter Homann und Nordsee.

Da Müller sich nicht in die Personalpolitik einmischen möchte, zog er sich aus der operativen Führung in die Schweiz zurück. Doch nun, wo viele erprobte Müller-Manager Kers zu Opfer fielen, endeten die Neubesetzungen der Vorstandsresorts immer mehr als Machtkampf zwischen Kers und Müller.

Zuletzt war Müller Alleininhaber, jetzt besitzen vier seiner neun Kinder jeweils einen Anteil von einem Prozent. Die zwei Söhne, die erst als potentielle Nachfolger galten, haben keinen Anteil. Der älteste Sohn Stefan disqualifizierte sich mit einem Reinfall in der USA aus dem Marketing und Theo Junior besitzt ebenfalls keine Führungsqualitäten. Durch die Einstellung von Sommer an der Spitze hat Theo Müller nun mehr Zeit, einen familieninternen Nachfolger zu bestimmen.

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O.Cetinkaya